Bergwerke, Stollen und unterirdische Anlagen entrümpeln – was die Dunkelheit unter Tage verbirgt und wie das Entsorgungsregister Orientierung gibt
Ein stillgelegtes Bergwerk, ein aufgegebener Erzstollen im Harz oder Erzgebirge oder ein alter Bergwerksschacht, der verfüllt werden soll, ist eine der extremsten und lebensgefährlichsten Entrümpelungsbaustellen der gesamten Abfallwirtschaft. Anders als in einem Gebäude unter freiem Himmel geht es hier um die Geister einer harten Industriegeschichte, die in kilometerlangen, dunklen, engen und oft nur kriechend zugänglichen Gängen gefangen sind. Die Gegner des Entrümpelungsteams sind nicht nur Schadstoffe und schwere Maschinen, sondern die Geologie selbst: explosive Gase, absaufende Strecken und der jederzeit drohende Einsturz des morschen, jahrhundertealten Holzausbaus.
Das Entsorgungsregister, Deutschlands neutrale Wissensplattform für Entsorgung und Recycling, widmet dieser königlichen und extrem gefährlichen Entrümpelungsdisziplin einen eigenen fundierten Beitrag – ohne selbst unter Tage zu kriechen oder Sprengstoff zu bergen, aber mit dem Ziel, Bergämtern, Bergbausanierungsgesellschaften (wie der LMBV in der Lausitz) und privaten Grubenbesitzern das notwendige Grundlagenwissen für eine sichere und gesetzeskonforme Abwicklung zu liefern.
Die unsichtbaren Gase: Methan, Kohlendioxid und der stille Erstickungstod in der Strecke
ÜBERSICHT
- 1 Die unsichtbaren Gase: Methan, Kohlendioxid und der stille Erstickungstod in der Strecke
- 2 Die tickende Zeitbombe im Haufwerk: Verlorene Sprengladungen und Zündmittel
- 3 Das nukleare Erbe des Gesteins: Radon, Pechblende und die Wismut-Altlasten
- 4 Die Einsturzgefahr: Der morsche Holzausbau und der steigende Wasserspiegel
- 5 Das Entsorgungsregister – navigiert durch die Tiefe
- 6 Berlin und Brandenburg? – Von der Kalkgrube bis zur LMBV-Sanierung
- 7 Praxisleitfaden – ein Bergwerk oder einen Stollen entrümpeln in sieben Schritten
- 8 Fazit
- 9 Häufige Fragen zur Entrümpelung von Bergwerken und Stollen
Das, was einen Stollen sofort tödlich machen kann, ist das, was man nicht sieht, nicht riecht und nicht schmeckt: die Gase. In stillgelegten Kohlebergwerken strömt aus dem Gestein Methan (CH₄), das nicht nur erstickend wirkt, sondern mit Luft ein hochexplosives Gemisch bildet (schlagende Wetter). In anderen Gruben, besonders in Kalk- und Gipsbergwerken, sammelt sich das schwere Kohlendioxid (CO₂) in Senken und Mulden und bildet unsichtbare, tödliche Seen von Atemgift. In Uran- und anderen Erzgruben kommt zudem das radioaktive Edelgas Radon hinzu, das aus dem Gestein austritt und in schlecht belüfteten Stollen konzentriert wird.
Das Entsorgungsregister stellt mit aller Deutlichkeit klar, dass eine Befahrung eines stillgelegten Stollens ohne eine vorherige, kontinuierliche Gasüberwachung und eine technische Bewetterung (Zwangslüftung mit frischer Luft) einem Todesurteil gleichkommt. Die Arbeit unter Tage fällt unter die strengen Vorschriften der DGUV Regel 113-004 (Arbeiten in engen Räumen und unter Atemschutz) und der Gefahrstoffverordnung. Jedes Teammitglied muss mit einem umluftunabhängigen Atemschutzgerät (Pressluftatmer) und einem persönlichen Multigaswarngerät ausgerüstet sein, das permanent Sauerstoff, Methan, CO₂ und Radon misst. Die Plattform listet die bundesweit verfügbaren Spezialfirmen für die Grubenbewetterung und die Gasmesstechnik auf, die diese essenzielle Vorarbeit leisten können.
Die tickende Zeitbombe im Haufwerk: Verlorene Sprengladungen und Zündmittel
Der Vortrieb eines Stollens erfolgte über Jahrhunderte, und in den letzten 150 Jahren fast ausschließlich durch Sprengungen. Bei diesen Tausenden von Sprengungen kam es, was statistisch unvermeidbar ist, immer wieder zu Versagern: Eine Sprengladung oder eine Zündkapsel, die nicht detoniert ist, wurde vom nächsten Abschlag einfach unter dem Haufwerk begraben und liegt seitdem, immer noch scharf und durch die chemische Alterung der Sprengstoffe extrem schlag- und reibempfindlich, im losen Gestein. Wenn heute bei der Entrümpelung eine Baggerschaufel oder ein Spitzhammer auf eine solche verborgene, jahrzehntealte Ladung trifft, kann sie mit verheerender Kraft explodieren, den Arbeiter töten und die gesamte Strecke zum Einsturz bringen.
Das Entsorgungsregister stellt unmissverständlich klar: Vor dem Beginn der maschinellen Entrümpelung muss eine vollständige Kampfmittelsondierung der gesamten Strecke durch einen staatlich zugelassenen Sprengstoffbeauftragten mit Suchsonden und Bodenradar durchgeführt werden. Jeder Fund wird von diesem Spezialisten unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen geborgen und in einen Spezialbehälter für Explosivstoffe verpackt, um ihn dann kontrolliert zu vernichten. Die Plattform listet die bundesweit agierenden Firmen für die Kampfmittelsondierung unter Tage auf, die nach dem Sprengstoffgesetz zugelassen sind.
Das nukleare Erbe des Gesteins: Radon, Pechblende und die Wismut-Altlasten
In vielen deutschen Bergbaurevieren, besonders im Erzgebirge, im Vogtland, im Schwarzwald und im Harz, wurden über Jahrhunderte nicht nur Silber und Kobalt, sondern auch Uranerze wie Pechblende abgebaut. Die Stollen sind heute mit Radon und seinen radioaktiven Zerfallsprodukten belastet, die sich an den feinen Staubpartikeln in der Luft anlagern und beim Einatmen Lungenkrebs verursachen können. Das taube Gestein und die alten Halden enthalten zudem noch die Reste der Uranerz-Aufbereitung mit einer messbaren, wenn auch oft geringen Strahlung.
Das Entsorgungsregister erklärt, dass diese Materialien dem Anwendungsbereich der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) unterliegen. Vor der Entsorgung muss eine Freimessung durch einen behördlich zugelassenen Strahlenschutzsachverständigen durchgeführt werden. Überschreiten Materialien die geringfügigen Freigabewerte (z.B. 0,1 Millisievert pro Jahr), dürfen sie nicht als normaler Bauschutt oder Boden behandelt werden, sondern müssen als radioaktiver Abfall deklariert und über die Landessammelstellen für radioaktive Abfälle oder, in größeren kontaminierten Mengen (wie bei den gigantischen Wismut-Sanierungsflächen), in spezielle, abgedeckte Halden und Untertagedeponien verbracht werden. Das Entsorgungsregister listet die bundesweit tätigen, zertifizierten Strahlenschutzsachverständigen und die Firmen auf, die eine Erlaubnis für den Transport und die Entsorgung von schwachradioaktivem Material besitzen.
Die Einsturzgefahr: Der morsche Holzausbau und der steigende Wasserspiegel
Ein stillgelegtes Bergwerk ist ein dynamisches, sich ständig veränderndes System. Das eindringende Grubenwasser weicht den jahrhundertealten Holzausbau auf und bringt ihn zum Faulen, während der Gebirgsdruck die Stahlbögen verbiegt und bricht. Die Firste (die Decke der Strecke) kann jederzeit und ohne große Vorwarnung auf einer Länge von Metern oder Dutzenden Metern hereinbrechen und ein Entsorgungsteam unter sich begraben. Bevor auch nur ein einziges Stück Holzausbau entfernt wird, muss ein Bergbausachverständiger die gesamte Strecke befahren, den Zustand des Ausbaus bewerten und einen Plan für die systematische Sicherung und den Rückbau der Strecke von “hinten nach vorne” zum Mundloch hin erstellen. Oft ist es sicherer und wirtschaftlicher, die Strecke kontrolliert mit Versatzmaterial zu verfüllen und die Maschinen und Einbauten unter Tage zu belassen, als das Personal einem unvertretbaren Risiko auszusetzen. Das Entsorgungsregister betont diesen sicherheitskritischen Abwägungsprozess und listet die bundesweit zugelassenen Bergbau-Sachverständigen und Spezialfirmen für den Grubenausbau und -rückbau auf.
Entsorgungsregister.de ist auch im dunkelsten Stollen die neutrale Wissensplattform. Es bietet keine Bergwerksräumungen an, es vermisst keine Radonbelastung und es entschärft keine Sprengladungen. Aber es listet in seiner Datenbank jene hochspezialisierten und zertifizierten Fachbetriebe, die die gesamte Breite der Gefahren unter Tage beherrschen: von der kontinuierlichen Gasüberwachung und Bewetterung über die Kampfmittel- und Radonsondierung bis zur fachgerechten und gesicherten Demontage des Holz- und Stahlausbaus und der Maschinen. Die Datenbank erlaubt es den Bergämtern und Sanierungsgesellschaften, für jede dieser höchst spezifischen und lebensgefährlichen Aufgaben den richtigen, geprüften Fachpartner zu finden.
Berlin und Brandenburg? – Von der Kalkgrube bis zur LMBV-Sanierung
Berlin selbst ist keine Bergbaustadt, aber sein Umland in Brandenburg und das nahe Erzgebirge sind es umso mehr. Die gigantischen Sanierungsprojekte der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) in den ehemaligen Braunkohle-Tagebauen und die unzähligen stillgelegten Kalk-, Sand- und Kiesgruben in Brandenburg und im Berliner Umland sind ständige Aufgaben für die Entsorgungs- und Sanierungsbranche. Die speziellen Herausforderungen der Wismut-Sanierung im Erzgebirge (Uranerz) bilden das weltweit größte derartige Umweltprojekt und werden oft als Blaupause für ähnliche Vorhaben im Ausland genutzt. Das Entsorgungsregister listet die regional tätigen Spezialfirmen, die mit diesen besonderen bergrechtlichen und strahlenschutztechnischen Anforderungen der verschiedenen Reviere vertraut sind.
Praxisleitfaden – ein Bergwerk oder einen Stollen entrümpeln in sieben Schritten
Das Entsorgungsregister strukturiert den extrem lebensgefährlichen Ablauf: (1) Die Befahrung durch einen Bergbau-Sachverständigen unter Atemschutz, die Erstellung eines detaillierten Grubenbildes und die Bewertung der Standsicherheit und der Gassituation. (2) Die Einrichtung einer technischen Bewetterung und einer kontinuierlichen Gasüberwachung (CH₄, CO₂, O₂, Radon) für die gesamte Dauer der Arbeiten. (3) Die Kampfmittelsondierung der gesamten Strecke und die Bergung und Vernichtung aller verlorenen Sprengladungen durch einen autorisierten Pyrotechniker. (4) Die Radonmessung und die Freimessung der gesamten Anlage durch einen Strahlenschutzsachverständigen, die Identifikation und Separierung der radioaktiv kontaminierten Materialien und deren Entsorgung über die Landessammelstelle. (5) Die Stilllegung der Wasserhaltung und die fachgerechte Reinigung des Grubenwassers vor der Einleitung. (6) Der Rückbau der Maschinen und der Ausbau der Metalle und Hölzer (sofern dies unter den Sicherheitsvorgaben möglich ist und nicht die Verfüllung gewählt wird). (7) Der fachgerechte Verschluss des Mundlochs oder die Verfüllung des Schachts und die Erstellung eines umfassenden Abschlussberichts für das Bergamt, der die Sprengstofffreiheit, die radiologische Unbedenklichkeit und die ordnungsgemäße Entsorgung aller Materialien bescheinigt.
Fazit
Die Entrümpelung eines Bergwerks oder Stollens ist eine der wenigen Aufgaben, bei denen die Unwägbarkeiten der Geologie, die Spuren der nuklearen Vergangenheit und die verborgenen, tickenden Sprengfallen des Bergbaus auf ein Entsorgungsteam warten. Ohne eine perfekte Planung, strenge Sicherheitsprotokolle und die Zusammenarbeit mit den besten Spezialisten für die extreme Umgebung unter Tage ist diese Operation ein Himmelfahrtskommando. Das Entsorgungsregister liefert das nötige Wissen und die neutrale Datenbank, um diese extrem gefährliche und tiefgehende Aufgabe zu bewältigen – neutral, sachlich und mit dem gebotenen Respekt vor der Dunkelheit und den Kräften des Berges.
Häufige Fragen zur Entrümpelung von Bergwerken und Stollen
Warum ist das Betreten alter Stollen ohne Gasüberwachung so gefährlich?
In stillgelegten Bergwerken können sich je nach Geologie unsichtbare und geruchlose, tödliche Gase ansammeln. Methan (CH₄) ist explosiv, Kohlendioxid (CO₂) sammelt sich als dichter See in Senken und erstickt sofort, und Radon ist radioaktiv und krebserregend. Vor jeder Befahrung muss eine aktive Bewetterung (Belüftung) eingerichtet und die Atmosphäre mit einem Multigaswarngerät kontinuierlich überwacht werden. Das Entsorgungsregister listet die bundesweit agierenden Spezialfirmen für Grubenbewetterung und Gasmesstechnik auf.
Wie wahrscheinlich ist es, in einem alten Bergwerk noch auf Sprengstoff zu stoßen?
Leider sehr wahrscheinlich. Bei jedem industriellen Vortrieb mit Sprengstoff gibt es eine gewisse Anzahl von Versagern (nicht detonierte Ladungen und Zündkapseln). Diese liegen seit Jahrzehnten im Haufwerk unter dem losen Gestein und sind durch chemische Alterung extrem schlag- und reibempfindlich geworden. Eine vollständige Kampfmittelsondierung durch einen zugelassenen Sprengstoffbeauftragten ist zwingend vorgeschrieben, bevor maschinelle Arbeiten im Haufwerk beginnen dürfen. Das Entsorgungsregister listet die dafür zertifizierten Firmen auf.
Sind alte Erzbergwerke wirklich gefährlich wegen Strahlung?
Im Erzgebirge, im Harz und im Schwarzwald wurde über Jahrhunderte auch Uranerz (Pechblende) mit abgebaut. Die Stollen sind daher oft mit dem radioaktiven Edelgas Radon und seinen Zerfallsprodukten belastet. Auch das taube Gestein und die Halden können eine relevante Reststrahlung aufweisen. Eine Freimessung durch einen Strahlenschutzsachverständigen mit einem Geigerzähler ist vor der Entsorgung Pflicht. Kontaminiertes Material muss über die Landessammelstellen für radioaktive Abfälle entsorgt werden. Das Entsorgungsregister listet die entsprechend zertifizierten Sachverständigen und Entsorger auf.
Was ist das Problem mit dem Holzausbau in alten Stollen?
Der hölzerne Ausbau sichert die Decke (Firste) und die Wände (Stöße) der Strecke vor dem Einsturz. Über Jahrzehnte ist er durch die hohe Luftfeuchtigkeit morsch und faulig geworden und kann seine tragende Funktion verloren haben. Jede Berührung kann einen verheerenden Versturz von hunderten Tonnen Gestein auslösen. Der Rückbau einer solchen Strecke ist eine Aufgabe für einen erfahrenen Bergbausachverständigen, der die Strecke Schritt für Schritt von hinten nach vorne sichert und zurückbaut. Oft wird die Verfüllung (Versatz) der Strecke dem Ausbau vorgezogen. Das Entsorgungsregister listet die Fachfirmen für den Grubenausbau und -rückbau auf.
Bietet das Entsorgungsregister selbst die Räumung von Bergwerken an?
Nein. Das Entsorgungsregister ist eine neutrale Wissensplattform und vermittelt keine Aufträge. Es listet jedoch eine umfassende Datenbank mit zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben, die auf die hochspezialisierten und extrem gefährlichen Arbeiten unter Tage (Gasüberwachung, Sprengstoffbergung, Radonsanierung, Holzausbau-Rückzug) spezialisiert sind.
Welche besonderen Vorschriften gelten im Erzgebirge und in Brandenburg für solche Räumungen?
Das Erzgebirge ist geprägt von der gigantischen Sanierungsaufgabe der Wismut-Altlasten (Uranerzbergbau), die mit eigenen Bundesgesetzen und einer eigenen Sanierungsgesellschaft (Wismut GmbH) abgewickelt wird. Die Spezialfirmen müssen hier besonders strenge Strahlenschutz- und Bergversatz-Vorgaben erfüllen. In Brandenburg betreut die LMBV die riesigen Braunkohle-Tagebaue. Das Entsorgungsregister listet die regionalen Spezialfirmen, die mit diesen besonderen bergrechtlichen und strahlenschutztechnischen Anforderungen vertraut sind.

